Samstag, 10. Januar 2015

Geladen und entsichert


Ich habe einen Stift, und ich werde nicht zögern, ihn zu benutzen.

JE SUIS CHARLIE. 

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Jahreswechselgrüße

So viel Aufregendes ist in diesem Jahr passiert – ein richtiges Kontrastprogramm zu 2013. Nun fand und findet das Spannendste offline statt, und ich komme nicht regelmäßig dazu, alles schriftlich und im Bild festzuhalten. Mir ein Pferd zu kaufen war vielleicht eine der verrücktesten, aber auch gleichzeitig eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe.

Der Südländer kommt mit dem Winterwetter gut zurecht.

Bonito ist richtig gut angekommen in seiner neuen Herde. Die portugiesisch-isländische Völkerverständigung klappt hervorragend. Oma Leitstute hat den Bub sozusagen adoptiert, und mit dem alten Wallach hat er sich zum binationalen Sportteam zusammengetan, und die beiden verfeinern täglich ihr Curling mit dem Futterbottich.

Die portugiesisch-alemannische Völkerverständigung (speziesübergreifend) ist auch auf einem guten Wege. Zum einen ist es schön zu hören, wenn man als Pferd-Mensch-Einheit wahrgenommen wird. Einmal alleine im Dorf unterwegs, und man wird ohne Pferd schon nicht mehr erkannt. ;) Zum anderen hat sich auch das Vertrauen zwischen Pferd und Mensch gut entwickelt. Bonito ging schon einige Male als Führpferd bei den Ausritten, auch Solo-Ritte haben wir schon gewagt. Unser Winterprogramm wird sich voraussichtlich schwerpunktmäßig im Viereck abspielen, damit sich der Bub auch da zurechtfinden lernt. Das ist zumindest der gute Vorsatz fürs neue Jahr.

Einer der Vorsätze, sollte ich besser sagen. Denn nun, da der Kopf auf meinen Schultern sich wieder anfühlt, als sei es mein eigener, möchte ich mich auch wieder verstärkt den Buchstaben und den Bildern widmen.


Liebe Freundinnen, Freunde, Leserinnen und Leser, euch allen einen schönen Jahreswechsel und meine allerbesten Wünsche, vor allem Glück und Gesundheit.

Wir sehen uns 2015 in neuer Frische!
Eure Nel

Samstag, 18. Oktober 2014

Bärli sucht sein "Om"

Während sein Teilzeitbabysitter Bonito so cool findet, dass er ihn nächstes Jahr nach Wacken mitnehmen will, machte unsere Reitlehrerin eine „grundsätzliche innere Unruhe“ in Bonito aus. Dem möchte ich mich (beidem) nicht anschließen. Jedenfalls nicht grundsätzlich. Ja, es stimmt, hin und wieder reagiert er in Situationen, die ihn überfordern, etwas … iberisch, würde ich mal sagen. Deshalb suchen wir uns wahrscheinlich lieber ein Bailando-Festival aus anstatt zu den Metallern zu gehen, zumal der Bub ja auch kein Bier mag. 
(Aber das ist eine andere Geschichte.)

Doch eine grundsätzliche Unruhe? Nein. Bei der Bodenarbeit zum Beispiel ist er absolut ruhig, solange er mich im Blick hat. Arbeite ich jedoch hinter der Schulter, habe ich es oftmals mit Geschnaufe, Geschnarche, viel Vorhandaktion und einem für einen Wallach beinahe unangemessenen Kragen zu tun. Inzwischen gehe ich davon aus, dass die Unruhe davon kommt, dass er sich unsicher ist, was von ihm erwartet wird: „Hallo, Mensch, gib mir mehr Sicherheit! Führe mich!“ Für ein junges Pferd ist das völlig legitim. Zumal er sich sehr bemüht, zu erraten, was man gerade von ihm möchte.

Bärlifüße - tiefenentspannt

Eine deutliche Verbesserung (wenn auch noch kein richtiges Om) ist in der letzten Zeit eingetreten. Ich kann jetzt die Früchte der ausführlichen Bodenarbeit ernten: An den Stimmhilfen kann Bonito sich inzwischen sehr gut orientieren, auch wenn er mich nicht sieht, zum Beispiel weil ich im Sattel sitze oder am Langzügel arbeite.

Es ist kein Problem, ohne Begleitung anderer Pferde an der Hand in fremdem Gelände spazierenzugehen. Vor allem auf Waldwegen, bekannt oder unbekannt, senkt sich Bonitos Kopf, das Pferd entspannt sich, und ich habe immer öfter den Eindruck, dass wir beide hier ganz bei uns sein können. Auch auf den Ausritten macht sich das bemerkbar. Obwohl die Touren unbekannt sind, auch die Reiter sich erst kennenlernen müssen, und die Pferde zwar miteinander in der Herde leben aber keine Routine haben, miteinander zu laufen, ging vom ersten Ritt an alles gut. Sogar jene Mitreiter, die anfangs noch ein wenig über meine wochenlange Fußgängerei zu Beginn grinsten, mussten auf dem „Jungfernritt“ zugeben, dass sie bei einem Sechsjährigen mit wesentlich mehr Spektakel gerechnet hatten.

Es ist also wahrscheinlich im Wald, das Om. Wo genau, das weiß ich nicht. Aber wir werden hoffentlich viel Freude daran haben, unterwegs zu sein und es zu suchen.

Donnerstag, 25. September 2014

Zwergenaufstand

In den Morgenstunden baten zwei Polizeibeamten um Unterstützung. Falls man zuständig sei: Ein „ziemlich dickes schwarzes Pony“ sollte bitte am Parkplatz des nahegelegenen Discounters abgeholt werden. Die Beamten vor Ort seien der Situation nicht mehr gewachsen. Versuche, den Mini-Marodeur in einem Häuschen für Einkaufswagen festzusetzen, schlugen immer wieder fehl. Schlussendlich konnte der Übeltäter dingfest gemacht werden, da er sich im Schaufenster des benachbarten Möbelhauses spiegelte, sich spontan in sein Spiegelbild verliebte und wie angewurzelt davor stehen blieb.

Jetzt auch mit Polizeiakte.
Man hörte ja nun einiges von Autonomiebestrebungen jenseits des Hadrianswalls. Vermutlich war damit nicht gemeint, dass hierzulande Shetties frei herumlaufen und den Stadtteil in Angst und Schrecken versetzen dürften. Vielleicht suchte er auch nur – etwas verspätet – das Wahllokal?

Der Kollege Fuchs aus Wales indessen vertrieb sich die Zeit, die er alleine verbrachte, mit dem Design keltischer Knotenkunst für seine Mähne.

Nicht immer will man wirklich wissen, was in Ponyköpfen so vor sich geht. Dieses Mal jedoch wäre ich wirklich neugierig, was er sich dabei wohl gedacht hat.

Samstag, 20. September 2014

Kann ich es essen?

Die erste Frage lautet immer: Kann ich es essen? Die zweite: Frisst es vielleicht mich? Die dritte Frage ist: Kann ich es nicht doch vielleicht essen? 

Liebe geht, auch beim Equiden, gerne mal durch den Magen. Bald hat das Pferd raus, welche Knöpfe man beim Zweibeiner drücken muss, damit der sich in einen Keksautomaten verwandelt.

Bitte beim Essen nicht stören ...
Die Rascheltüte

Dadrin ist immer was fürs Pferd. Immer! Nicht rascheln, wenn du es nicht ernst meinst. Denn Pferde zerlegen auch gern mal eine Tüte, um zu beweisen, dass doch was für sie drin ist, auch wenn ihr Zweibeiner das Gegenteil behauptet. Zur Not frisst Pferd eben die leere Tüte, nur um recht zu behalten.

Es soll auch Leute geben, die darauf ausweichen, ihre Leckerlis in der Jackentasche mitzuführen. Diese Leute erkennt man am ausgefransten Taschensaum, „destroyed look“ durch forsche, forschende Pferdenasen.

Die Futterschüssel

Die Kontrolle übers Futter hat stets der Herdenchef. Dies kann sich der Equidenbesitzer (oder auch die Rossmagd zweier Mini-Macker) in Macchiavelli-Manier auch zunutze machen. Der Anspruch des Shettys war nämlich: „Ich bin ein Pony, ich bin süß, und deswegen kriege ich jetzt sofort von dir was zu essen.“ Untermauert natürlich von einem selbstbewussten „Happs“ in Richtung der Menschenhand, egal, ob diese gerade tatsächlich fütterte oder nicht. Das Waliser Füchsle hingegen sprang bei der Zuteilung des Müslis mit einer Attitüde von augenrollendem Ungetüm dem Fütternden geradezu auf den Arm.

Beides fand die Rossmagd wenig prickelnd. Zunächst einmal wurde sehr zum Betrübnis der beiden Ponys das Füttern aus der Hand gestrichen. Außerdem wurden Tischsitten eingeführt bei Heu- und Müslifütterung. Jaha! Das Pony hat zu warten, bis der Herdenchef das Futter auch zum Essen freigibt. Da steht man dann so als Mensch vor dem Heuhaufen und versucht, sich nicht selbst auszulachen, wenn man dem Pony weiszumachen versucht: „Du musst warten, weil das ist meins.“

Der Bastelkeks (auch Arbeitskeks)

Dieses Leckerli gibt es nicht umsonst. Es ist ein sogenanntes Futterlob, also ein Motivationskeks. Dafür muss das Pferd sich schon anstrengen. Sei es füßisch oder auch mit dem Kopfe. Denken wird – im Gegensatz zur wirklichen Welt – nämlich von mir auch mit einem Keks belohnt. Beim Futterlob ist das Timing wichtig, um Lob mit der Handlung zu verknüpfen. Sonst begreift das Pferd den Zusammenhang nicht, wird zum Bettler, und man beginnt von neuem, Heuhaufen zu besetzen – siehe voriger Abschnitt.

Die Suchbirne

Als jemand, der seinem Vierbeiner ein verlässlicher Zweibeiner sein will, erfindet man auch gerne Rituale. Um das letzte Leckerli, welches das Pferd am Ende auf die Weide in seine Freiheit entlässt, von den Arbeitskeksen zu unterscheiden, reiche ich es in Bodennähe. Jetzt in der Obstsaison auch gerne mal in Form von Äpfelchen oder Birne, die ins Gras kullert. Während die Schnobernase durchs Gras stöbert, kann sich der Keksautomat von dannen schleichen.

Immer die Frage im Hinterkopf: Wurde das arme, verhungernde Tier auch wirklich genug gefüttert?