Samstag, 30. Juni 2012

Erwischt!

Irgendwann fängt man sich an zu fragen, wer nächtens - ohne Dürfschein! - die Terrasse umdekoriert. Dem Ergebnis nach musste es ein ziemlich bekifftes Heinzelmännchen ohne gestalterisches Talent gewesen sein. Umgeworfene Blumentöpfe, angefressene Gartenschuhe, dekorativ in die Landschaft verteilte Kaffeefilter aus dem Komposteimerchen ...

Und nein, es war nicht die Katze.

Papa Blu hatte die Faxen dicke, und so wurde eine Überwachungskamera zur Wildtierbeobachtung angeschafft.

Schon in der ersten Nacht ist der Terrassenanarchist in die Fotofalle gegangen:


 Ich glaube, wir haben gute Voraussetzungen für ein richtiges Biotop. ;-)

Samstag, 2. Juni 2012

Mut zur Skizze

Ich könnte behaupten, es ist sehr, sehr lang her. In Wirklichkeit aber habe ich erst im Oktober die letzte Zeichnung gemacht. Zeichnung hier: analog, von Hand, mit Bleistift. Wohlmeinende Menschen haben mir ein Skizzenbuch geschenkt, um mich von meiner Pferdelosigkeit abzulenken. "Du konntest das früher doch mal ganz nett. Mal doch einfach wieder was."

Anders als bei Textskizzen fällt es mir beim Zeichnen schwer, den ersten Strich aufs weiße Blatt zu setzen. Daher habe ich in diesem Skizzenbuch erst ein paar Seiten in Anspruch genommen. Aber heute habe ich etwas für mich entdeckt, was möglicherweise der Anfang eines digitalen Skizzenbuchs werden kann. Quasi ein digitaler Malblock, bei dem man kein Papier verschwendet, wenn man sich mal verhaut.

Die Anwendung heißt "Harmony", ist eine Webanwendung, und das ist mein erster (ernstgemeinter) Versuch: 


 
Kunst! Ich hab Kunst gemacht! :-D

Ich hab die Funktion "Shaded" benutzt und nicht mit der Maus gezeichnet, sondern eigens das Grafiktablett hervorgekramt.

Ja, ich bin recht stolz darauf. Nicht so stolz, dass ich mit dem Ding gleich zum nächsten Tätowierer rennen würde, um es für die Ewigkeit an mir herumzutragen, aber ich glaube, gerahmt und aufgehängt gehört es schon.

Nachtrag: Es ist noch eine weitere Skizze hinzugekommen, die habe ich allerdings an Max verschenkt.

Montag, 14. Mai 2012

Pause fürs Hirn


Hin und wieder braucht der Denkapparat eine Pause. Ich bemerke das immer dann, wenn die Gedankenknoten nicht mehr speziell dem Schreiben zuzuordnen sind, sondern sich auf den ganzen Alltag ausbreiten. Dem Hirn, sonst so auf Wörter versessen, muss ich in diesen Zeiten gestatten, nur noch zu funktionieren. Sonst halte ich es nämlich mit mir selbst nicht mehr aus. 

Natürlich muss ich die Aufgaben anpassen. Denn mit ohne Hirngebrauch unnütz herumsitzen mag ich auch nicht. In solch einer Phase ist es für mich das Höchste, Routine abzuspulen: Die Stallarbeit zum Beispiel kann mein Körper alleine. Wie im Computerspiel steuere ich mich per "nimm Rechen", "benutze Rechen mit Stroh", "nimm Stallboy", "benutze Stallboy mit Pferdeäpfeln", "geh zur Schubkarre". Ansonsten herrscht Ruhe unter der Schädeldecke – herrlich!

Mama und Papa Blu haben nicht schlecht gestaunt, als ich mich am Wochenende über die Spontan-Lieferung Brennholz gefreut habe – im Gegensatz zu ihnen. Aber die Aussicht auf zwei Stunden Monotasking ... wenig ist's, was ein Kinderherz erfreut. ;-)


Noch schnell die Funktionen einprogrammiert, und dann geht’s los. Mit dem leeren Korb zu dem Holzhaufen im Hof, zwei – vier – sechs – acht – Scheite in den Korb. Mit dem vollen Korb in den Heizkeller, vollen Korb abstellen, leeren Korb mitnehmen, zurück.

Eine besondere Belohnung gibt es zum Schluss. Das aufgesetzte Holz ergibt noch eine meiner geliebten Zufallsgrafiken aus dem Alltag.

Montag, 30. April 2012

Letzter Gruß vom April


Die Pastellzeit ist vorbei, und der mittlere Frühling geizt nicht mit Farbfreude. Einmal quer durch die Palette, huiiii, welch eine Freude! 

Dieser April hat uns vor allem mit vielen Regenbogen beeindruckt, und für alle, die noch nicht wissen, wo sie den Pott voller Gold abholen müssen: Er ist genau hier!


Also ganz genau ist er im ***[1]-Tal am Rande von ***-***, ein wenig unterhalb des ***-Hofs, auf dem Weg zur ***, gar nicht weit von der ***.

Viel Spaß bei der Schatzsuche!

P.S.: Grüner, der du so gerne Rätsel magst: Flieg schnell hin, damit du dir das Gold als Anzahlung auf deine Matchbox-Garage abgreifen kannst!




[1] Glaubt ihr wirklich, ich mach euch das so einfach?! ;-)


Donnerstag, 19. April 2012

Entspann! Dich! Gefälligst!


Der gestreifte Mitbewohner hatte eine Woche lang Hausarrest. Für den sehr engagierten Freigänger ist das die Höchststrafe, aber er hatte eine Augenentzündung. Die Tante Tierarzt meinte zu Recht, jemand, der nur noch ein Auge hat, sollte besonders gut drauf aufpassen. Deshalb wurde dem Tiger der gelbe Zettel verpasst und die Jagdausflüge sowie die Tigerstreife durchs Revier bis auf weiteres gestrichen. Man hätte unterstellen können, die Tante Tierarzt hat nicht gewusst, was sie mir mit einem eingeknasteten Mitbewohner antut, aber da muss ich sie in Schutz nehmen: Sie ist, was den Tiger angeht, durchaus kampfsporterprobt.
Womit wir nicht gerechnet hatten, war, dass der Kater seine Stimme entdeckte. Der sonst so maulfaule Zeitgenosse sang einen Tag lang Opern – vor allem die "Sesam-öffne-dich"-Arie vor der Katzenklappe, das "Mein-Mensch-ist-verblödet"-Lamento und immer wieder mehrstimmig aus einer Kehle den Gefangenenchor. Leider im nach oben offenen Crescendo. Ich hatte schon den Verdacht, er wollte damit das Fensterglas zum Bersten bringen.
Ein Tinnitus kündigte sich an, und bevor mein Gehör bleibende Schäden davontrug, verordnete ich dem Kater ein "Omm." 


Gewissenhaft studierte er das Werk (hatte ja nix besseres zu tun, nä?), fungierte das Krankenlager zum Trainingslager um und widmete sich der fernöstlichen Meditation:
Position: "West-östlicher Diwan"

Von der neu gewonnen Gelassenheit hat er aber in dem Moment Abstand genommen, als er wieder nach draußen durfte. Mit der Hartnäckigkeit eines Drill-Instructors hat er mich so lange strafexerzieren lassen, bis er sicher war, dass ich den Griff zur Türklinke auch tatsächlich wieder beherrsche. Das bei der felinen Spezies so beliebte Lass-mich-rein-lass-mich-raus-Spiel mit drei Türen und einer Katzenklappe hält fit, da kann keiner behaupten, Katzen seien nette Haustiere für Couch Potatos.
Allerdings hat er auch die "Stimmhilfe" wieder eingestellt und bedient den "Türöffner" wieder wie üblich mit einem vorwurfsvollen Blick. Ist doch auch was.