Sonntag, 6. September 2015

Raus aus der schweigenden Mehrheit

Man hat mich aus meiner Komfortzone genötigt. Der letzte Leserbriefschreiber, der "kein Rassist ist, aber ..." und sich anmaßte, für die schweigende Mehrheit zu sprechen, machte mir klar: Es ist an der Zeit, sich aus dieser schweigenden Mehrheit zu lösen. Auch wenn mein Schweigen alles andere als Zustimmung zu den gängigen Pegida-Parolen bedeutete - ganz im Ernst, ich sehe den Sinn nicht, gegen Betonmeinungen anzudiskutieren, das ist alles. 

Wenn noch wenigstens die Offenheit für eine sachliche Auseinandersetzung da wäre, aber es geht ja nur darum, sich über die "linken Gutmenschen" zu erheben, die "den Untergang des Abendlands vorantreiben".
"Ah, sagte Herr Nadel. "Ja. Ich erinnere mich. Ihr seid besorgte Bürger." Über besorgte Bürger wusste er Bescheid. Wo auch immer sie sich aufhielten: Sie sprachen immer die gleiche private Sprache, in der "traditionelle Werte" und ähnliche Ausdrücke auf "jemanden lynchen" hinausliefen.
(Terry Pratchett, "Die volle Wahrheit")
Ja, man muss sich Sorgen machen. Ja, es ist schwierig. Und ja, die Politiker haben gepennt bzw. führen sich grade gegenseitig in Brüssel am Nasenring durch die Manege. 

Zwar habe ich es durchaus gelernt, mich artizukulieren, und normalerweise bewege ich mich sprachlich auch in einem anderen Bereich. Trotzdem möchte ich mich an dieser Stelle bei der Aktion Arschloch bedanken dafür, dass der erste Schritt heraus aus dem Schweigen so einfach war.

Im Ernst: Löst ein abgebranntes Flüchtlingsheim irgendein Problem? Eher im Gegenteil. Ressourcen werden gebunden, die an anderer Stelle dringend gebraucht würden, und an einer ohnehin schon aufgeheizten Stimmung wird noch munter herumgezündelt, und wenn alles in die Luft geht, natürlich mit dem Finger auf die Flüchtlinge gezeigt. Die haben einen schließlich zu diesem Terrorismus genötigt.

Da wird man doch mal aus tiefster Seele "Arschloch!" sagen dürfen.

Samstag, 15. August 2015

Heranwachsend

Mit sechs Jahren, so nimmt man jedenfalls an, hat man ein ausgewachsenes Pferd. "Der Bub ist ja schon groß." Selbst wenn man in Betracht zieht, dass Pferde nicht vor fünfeinhalb bzw. sechs Jahren körperlich erwachsen sind.[1]

Lusitanos haben jedoch in diesem Alter ihre Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen, bei ihnen rechnet man damit, dass sie mit acht Jahren fertig entwickelt sind. Also hatte ich schon erwartet, dass sich Bonito noch ein wenig "umbaut". Im Winter war dies besonders auffällig. Vorher eher noch ein "Schlaks", legte er deutlich an Statur zu. (vgl. auch das Bild vom Februar)

Obwohl er ein sehr waches und lernbegeistertes Pferd ist, durfte ich ihn in dieser Phase geistig nicht sehr fordern. Also habe in in dieser Zeit mit ihm viel am Boden gemacht, hauptsächlich Roundpen-Arbeit, dadurch konnte er seinen "neuen" Körper ausbalancieren lernen.

Ab dem späten Frühjahr begann ich damit, in unsere Ausritte immer wieder ein paar Dressurelemente einzubauen, um die Muskulatur auch an die richtigen Stellen zu bekommen. Dank den Trainingshilfen von Copine, die dankenswerterweise den Bub "fernbetreut", entwickelt sich alles in die richtige Richtung. 



Theoretisch wusste ich es schon, doch praktisch ist es eine Freude zu sehen, wenn sich die akribische Grundausbildung und viele Schrittarbeit so auszahlt, dass man das ein oder andere Element der weiteren Ausbildung dadurch geschenkt bekommt, ohne viel dafür zu tun.

Mein Fernziel, in etwa fünf oder sieben Jahren Hubertus Schmidts Grönemeyer-Kür nachreiten zu können, steht noch. Der starke Schritt ist fast soweit, und für eine gelungene Piaffe muss man nur geschickt am Rand der Arena ein Minishetty platzieren.[2] 

[1] Studie von Dr. Deb Bennett, Ph. D. zur Ausbildung junger Pferde im Zusammenhang mit ihrem Skelettwachstum
[2] Dies ist natürlich kein von der FN zugelassenes offizielles Hilfsmittel im Viereck. ;)
 

Sonntag, 29. März 2015

Was ist mit der Gesellschaft los?


Versuch einer Antwort auf „Ein Update zu Flug 4U9525“



Liebes Copinchen,

diesen Beitrag hatte ich ursprünglich als Kommentar zu deinem Blogeintrag angefangen, stellte aber fest, dass ich mich dafür nicht kurz genug fassen kann.

Früher wollte ich einmal unbedingt Journalistin werden. Musste aber einsehen, dass ich für diese Branche nicht abgebrüht genug bin. Dass ich die Chance bekam, als Öffentlichkeitsarbeiterin im medizinisch-wissenschaftlichen Bereich zu arbeiten, fand ich einen guten Kompromiss und dachte, hier gäbe es gewissermaßen einen „geschützten Raum“, in dem man nicht einfach heillos ausgeliefert ist. War es doch eine Fachrichtung, in der es häufig um Leben und Tod geht.

Als ich zum Schutz eines sterbenskranken Patienten einmal bestimmte Aufnahmen abgelehnt habe, bekam ich vom Journalisten gesagt: "Aber unsere Zuschauer wollen das sehen."

Erstens: Glaube ich nicht. Denn ich bin auch Zuschauerin, und selbst wenn ich in der Minderheit bin: Ich will nicht alles sehen. Denn es gibt Bilder, die bekomme ich nicht mehr aus dem Kopf, weil das damit verbundene Ereignis so grauenhaft ist, dass mich allein das Mitfühlen mit den Betroffenen verfolgt und überfordert.

Zweitens: Selbst wenn es Zuschauer gibt, die das sehen wollen – vielleicht auch nur, weil dies ihre Art ist, mit einer Katastrophe umzugehen … dadurch wird ein Mensch jedoch nicht automatisch zur Person des öffentlichen Lebens. Selbst wenn die unbändige Wut einen Teil von Trauer ausmacht, und man zu wissen meint, gegen wen man sie richten kann. Ein anderer Teil vom Umgang mit Trauer und Schock ist das Stöbern nach Informationen, um etwas, irgendetwas aufzutun, was das Unbegreifliche fassbarer macht.

Am schlimmsten ist für mich, dass die sogenannte „Schwarmintelligenz“ sich auf die jüngsten Gerüchte stürzt (möglichst als Quelle die Bildzeitung nennend), ohne abzuwarten, ob dies auch offizieller Bestätigung standhält. Und dass aus den Fakten voreilige Schlüsse gezogen werden. Dies wiederum hat zur Folge, dass einige Journalisten meinen, der Zweck der Nachfrage heilige die Mittel, ein entsprechendes Angebot zur Verfügung zu stellen.

Im Beitrag „Berichterstattung zu Flug 4U9525 - Zwischen Journalismus und Sensationslust“ schreibt Bastian Ewald: 

„ […] Hysterie und wütende Spekulation sind in diesem Moment die wohl schlechteste Option: Sie zeugen vielmehr von der Unfähigkeit, echtes Mitleid und Empathie zu formulieren.
Aber unter zahlreichen Reaktionen im Netz findet sich so etwas, wie ein gemeinschaftliches Mitgefühl - und das verständliche Bedürfnis nach Aufklärung und Einordnung des Geschehenen. Und genau das sollte Berichterstattung bedienen.
Grenzen muss es geben, richtig. Tabus nicht. Dazu müssen auch Journalisten immer wieder ihre Arbeit hinterfragen: Was müssen wir erfahren?
[…]
Wir alle müssen diese Grenze dort ziehen, wo Betroffene empfindlich in ihrer Privatsphäre verletzt, in Angst und Schmerz der Öffentlichkeit präsentiert werden. Ignorieren sollten wir deren Schicksale und Emotionen jedoch nicht, denn das zeichnet (Mit-)Menschlichkeit aus. [...]“


Insofern finde ich es einen guten Schritt von Germanwings, die Angehörigen (alle! Angehörigen) vor Anfragen der Presse zu schützen und das öffentliche Interesse über die Pressestellen zu filtern und kanalisieren.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Auch wenn das dem „Schwarm“ nicht schmeckt. Dies war nicht der Hintergrund, vor dem „Je suis Charlie“ für die Pressefreiheit aufgestanden ist.

Die Öffentlichkeitsarbeit habe ich übrigens kurz nach der eingangs erwähnten Szene aufgegeben. Anscheinend bin ich nicht einmal dafür abgebrüht genug. Mir scheint fast, als Einsiedlerin, die auf eine Öffentlichkeit weitgehend ganz verzichtet, bin ich am besten aufgehoben.

Ich würde in meiner Einsiedelei auch Gästebetten zur Verfügung stellen für Mitmenschen, die mal eine Pause von „der Gesellschaft“ brauchen.

Mit ganz herzlichen Grüßen

Deine Nel

Mittwoch, 4. Februar 2015

Weißer Adler auf weißem Grund

Schnee steht dem Schimmel gut, stellte Copine gerade fest. Also lass ich mal ein paar Wintergrüße von und mit Bonito da.

Mein hübsches Model:


Mal romantisch ...
... mal mehr dynamisch.



Samstag, 10. Januar 2015

Geladen und entsichert


Ich habe einen Stift, und ich werde nicht zögern, ihn zu benutzen.

JE SUIS CHARLIE. 

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Jahreswechselgrüße

So viel Aufregendes ist in diesem Jahr passiert – ein richtiges Kontrastprogramm zu 2013. Nun fand und findet das Spannendste offline statt, und ich komme nicht regelmäßig dazu, alles schriftlich und im Bild festzuhalten. Mir ein Pferd zu kaufen war vielleicht eine der verrücktesten, aber auch gleichzeitig eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe.

Der Südländer kommt mit dem Winterwetter gut zurecht.

Bonito ist richtig gut angekommen in seiner neuen Herde. Die portugiesisch-isländische Völkerverständigung klappt hervorragend. Oma Leitstute hat den Bub sozusagen adoptiert, und mit dem alten Wallach hat er sich zum binationalen Sportteam zusammengetan, und die beiden verfeinern täglich ihr Curling mit dem Futterbottich.

Die portugiesisch-alemannische Völkerverständigung (speziesübergreifend) ist auch auf einem guten Wege. Zum einen ist es schön zu hören, wenn man als Pferd-Mensch-Einheit wahrgenommen wird. Einmal alleine im Dorf unterwegs, und man wird ohne Pferd schon nicht mehr erkannt. ;) Zum anderen hat sich auch das Vertrauen zwischen Pferd und Mensch gut entwickelt. Bonito ging schon einige Male als Führpferd bei den Ausritten, auch Solo-Ritte haben wir schon gewagt. Unser Winterprogramm wird sich voraussichtlich schwerpunktmäßig im Viereck abspielen, damit sich der Bub auch da zurechtfinden lernt. Das ist zumindest der gute Vorsatz fürs neue Jahr.

Einer der Vorsätze, sollte ich besser sagen. Denn nun, da der Kopf auf meinen Schultern sich wieder anfühlt, als sei es mein eigener, möchte ich mich auch wieder verstärkt den Buchstaben und den Bildern widmen.


Liebe Freundinnen, Freunde, Leserinnen und Leser, euch allen einen schönen Jahreswechsel und meine allerbesten Wünsche, vor allem Glück und Gesundheit.

Wir sehen uns 2015 in neuer Frische!
Eure Nel

Samstag, 18. Oktober 2014

Bärli sucht sein "Om"

Während sein Teilzeitbabysitter Bonito so cool findet, dass er ihn nächstes Jahr nach Wacken mitnehmen will, machte unsere Reitlehrerin eine „grundsätzliche innere Unruhe“ in Bonito aus. Dem möchte ich mich (beidem) nicht anschließen. Jedenfalls nicht grundsätzlich. Ja, es stimmt, hin und wieder reagiert er in Situationen, die ihn überfordern, etwas … iberisch, würde ich mal sagen. Deshalb suchen wir uns wahrscheinlich lieber ein Bailando-Festival aus anstatt zu den Metallern zu gehen, zumal der Bub ja auch kein Bier mag. 
(Aber das ist eine andere Geschichte.)

Doch eine grundsätzliche Unruhe? Nein. Bei der Bodenarbeit zum Beispiel ist er absolut ruhig, solange er mich im Blick hat. Arbeite ich jedoch hinter der Schulter, habe ich es oftmals mit Geschnaufe, Geschnarche, viel Vorhandaktion und einem für einen Wallach beinahe unangemessenen Kragen zu tun. Inzwischen gehe ich davon aus, dass die Unruhe davon kommt, dass er sich unsicher ist, was von ihm erwartet wird: „Hallo, Mensch, gib mir mehr Sicherheit! Führe mich!“ Für ein junges Pferd ist das völlig legitim. Zumal er sich sehr bemüht, zu erraten, was man gerade von ihm möchte.

Bärlifüße - tiefenentspannt

Eine deutliche Verbesserung (wenn auch noch kein richtiges Om) ist in der letzten Zeit eingetreten. Ich kann jetzt die Früchte der ausführlichen Bodenarbeit ernten: An den Stimmhilfen kann Bonito sich inzwischen sehr gut orientieren, auch wenn er mich nicht sieht, zum Beispiel weil ich im Sattel sitze oder am Langzügel arbeite.

Es ist kein Problem, ohne Begleitung anderer Pferde an der Hand in fremdem Gelände spazierenzugehen. Vor allem auf Waldwegen, bekannt oder unbekannt, senkt sich Bonitos Kopf, das Pferd entspannt sich, und ich habe immer öfter den Eindruck, dass wir beide hier ganz bei uns sein können. Auch auf den Ausritten macht sich das bemerkbar. Obwohl die Touren unbekannt sind, auch die Reiter sich erst kennenlernen müssen, und die Pferde zwar miteinander in der Herde leben aber keine Routine haben, miteinander zu laufen, ging vom ersten Ritt an alles gut. Sogar jene Mitreiter, die anfangs noch ein wenig über meine wochenlange Fußgängerei zu Beginn grinsten, mussten auf dem „Jungfernritt“ zugeben, dass sie bei einem Sechsjährigen mit wesentlich mehr Spektakel gerechnet hatten.

Es ist also wahrscheinlich im Wald, das Om. Wo genau, das weiß ich nicht. Aber wir werden hoffentlich viel Freude daran haben, unterwegs zu sein und es zu suchen.

Donnerstag, 25. September 2014

Zwergenaufstand

In den Morgenstunden baten zwei Polizeibeamten um Unterstützung. Falls man zuständig sei: Ein „ziemlich dickes schwarzes Pony“ sollte bitte am Parkplatz des nahegelegenen Discounters abgeholt werden. Die Beamten vor Ort seien der Situation nicht mehr gewachsen. Versuche, den Mini-Marodeur in einem Häuschen für Einkaufswagen festzusetzen, schlugen immer wieder fehl. Schlussendlich konnte der Übeltäter dingfest gemacht werden, da er sich im Schaufenster des benachbarten Möbelhauses spiegelte, sich spontan in sein Spiegelbild verliebte und wie angewurzelt davor stehen blieb.

Jetzt auch mit Polizeiakte.
Man hörte ja nun einiges von Autonomiebestrebungen jenseits des Hadrianswalls. Vermutlich war damit nicht gemeint, dass hierzulande Shetties frei herumlaufen und den Stadtteil in Angst und Schrecken versetzen dürften. Vielleicht suchte er auch nur – etwas verspätet – das Wahllokal?

Der Kollege Fuchs aus Wales indessen vertrieb sich die Zeit, die er alleine verbrachte, mit dem Design keltischer Knotenkunst für seine Mähne.

Nicht immer will man wirklich wissen, was in Ponyköpfen so vor sich geht. Dieses Mal jedoch wäre ich wirklich neugierig, was er sich dabei wohl gedacht hat.

Samstag, 20. September 2014

Kann ich es essen?

Die erste Frage lautet immer: Kann ich es essen? Die zweite: Frisst es vielleicht mich? Die dritte Frage ist: Kann ich es nicht doch vielleicht essen? 

Liebe geht, auch beim Equiden, gerne mal durch den Magen. Bald hat das Pferd raus, welche Knöpfe man beim Zweibeiner drücken muss, damit der sich in einen Keksautomaten verwandelt.

Bitte beim Essen nicht stören ...
Die Rascheltüte

Dadrin ist immer was fürs Pferd. Immer! Nicht rascheln, wenn du es nicht ernst meinst. Denn Pferde zerlegen auch gern mal eine Tüte, um zu beweisen, dass doch was für sie drin ist, auch wenn ihr Zweibeiner das Gegenteil behauptet. Zur Not frisst Pferd eben die leere Tüte, nur um recht zu behalten.

Es soll auch Leute geben, die darauf ausweichen, ihre Leckerlis in der Jackentasche mitzuführen. Diese Leute erkennt man am ausgefransten Taschensaum, „destroyed look“ durch forsche, forschende Pferdenasen.

Die Futterschüssel

Die Kontrolle übers Futter hat stets der Herdenchef. Dies kann sich der Equidenbesitzer (oder auch die Rossmagd zweier Mini-Macker) in Macchiavelli-Manier auch zunutze machen. Der Anspruch des Shettys war nämlich: „Ich bin ein Pony, ich bin süß, und deswegen kriege ich jetzt sofort von dir was zu essen.“ Untermauert natürlich von einem selbstbewussten „Happs“ in Richtung der Menschenhand, egal, ob diese gerade tatsächlich fütterte oder nicht. Das Waliser Füchsle hingegen sprang bei der Zuteilung des Müslis mit einer Attitüde von augenrollendem Ungetüm dem Fütternden geradezu auf den Arm.

Beides fand die Rossmagd wenig prickelnd. Zunächst einmal wurde sehr zum Betrübnis der beiden Ponys das Füttern aus der Hand gestrichen. Außerdem wurden Tischsitten eingeführt bei Heu- und Müslifütterung. Jaha! Das Pony hat zu warten, bis der Herdenchef das Futter auch zum Essen freigibt. Da steht man dann so als Mensch vor dem Heuhaufen und versucht, sich nicht selbst auszulachen, wenn man dem Pony weiszumachen versucht: „Du musst warten, weil das ist meins.“

Der Bastelkeks (auch Arbeitskeks)

Dieses Leckerli gibt es nicht umsonst. Es ist ein sogenanntes Futterlob, also ein Motivationskeks. Dafür muss das Pferd sich schon anstrengen. Sei es füßisch oder auch mit dem Kopfe. Denken wird – im Gegensatz zur wirklichen Welt – nämlich von mir auch mit einem Keks belohnt. Beim Futterlob ist das Timing wichtig, um Lob mit der Handlung zu verknüpfen. Sonst begreift das Pferd den Zusammenhang nicht, wird zum Bettler, und man beginnt von neuem, Heuhaufen zu besetzen – siehe voriger Abschnitt.

Die Suchbirne

Als jemand, der seinem Vierbeiner ein verlässlicher Zweibeiner sein will, erfindet man auch gerne Rituale. Um das letzte Leckerli, welches das Pferd am Ende auf die Weide in seine Freiheit entlässt, von den Arbeitskeksen zu unterscheiden, reiche ich es in Bodennähe. Jetzt in der Obstsaison auch gerne mal in Form von Äpfelchen oder Birne, die ins Gras kullert. Während die Schnobernase durchs Gras stöbert, kann sich der Keksautomat von dannen schleichen.

Immer die Frage im Hinterkopf: Wurde das arme, verhungernde Tier auch wirklich genug gefüttert?

Dienstag, 19. August 2014

Von Wikingern und Wohngemeinschaften

Der kleine Lusitano war komplett unvorbereitet auf das, was ihn in seiner neuen Wohngemeinschaft erwartete. Als einziger Schimmel und einziger Großer unter lauter isländischen Wikingern. Wie Ramon Martinez Congaz in Flake[1]. Er trägt es jedoch mit Fassung. Die Isländer auch. Schließlich ist das nicht das erste Jungpferd, das die Herdenchefin sich zu einem brauchbaren Herdenmitglied heranziehen muss.

Es ging alles viel leichter, als erwartet. 

Ganze 20 Minuten dauerte es nur, bis die Herde das wahrscheinlich freundlichste Pferd der Welt aufgenommen hatte. Der alte Wallach stänkerte zwar ein wenig rum, Bonito ging stiften und versteckte sich hinterm Stallbesitzer. Die Herdenchefin maßregelte … den alten Wallach, was denn das für ne Begrüßung sei, schließlich sei der Neue ja nett und höflich gewesen. Und bald darauf ging die Herde in neuer Konstellation und in Ruhe grasen.

- „Der springt aber nicht über den Zaun, oder?“
- Nein, er ist kein Springpferd, und wieso sollte er von der Herde weggehen? Er fühlt sich doch wohl dort.

- „Der ist so groß und so jung, wenn der mein armes zartes Stütchen besteigt ...“
Das arme zarte Stütchen ist kompakt und fast so breit wie hoch und belästigt eher den jungen hübschen Wallach als umgekehrt.

- „Was schreit da grade?“
- Nun … die Herdenchefin gegen den alten Wallach, weil wegen irgendwas. Bonito stand nur interessiert daneben.

Die Herdenchefin erklärte sich im Folgenden zu Bonitos persönlicher Babysitterin, und eine neue beste Freundin hat er auch: Die blonde Füchsin achtete in den ersten Tagen stets darauf, zwischen Bonito und dem alten Wallach zu stehen und eventuelle Pseudo-Macho-Aktionen seitens des Seniors zu unterbinden.

Es hat wirklich etwas für sich, wenn Pferde im Herdenverband aufwachsen. Den meisten, die so sozialisiert wurden, ist klar, wie sie sich einer Herde nähern müssen und passen ihr Benehmen dem an. Gibt es über die Zeit wenig Änderungen in der Struktur der Herde, wird man kaum Probleme mit der Integration haben. Die großen Weiden und die stabile Herde – Erfahrung mit Herdenmitgliedern nichtisländischer Herkunft vorhanden – waren die beiden wichtigsten Gründe, mich für diesen Stall zu entscheiden, obwohl der Bub nun mal völlig aus der Art schlägt.

Aussicht auf Kühe: ein zukünftiges Hirtenpferd?


Der Fanclub für Bonito wuchs jeden Tag, trotzdem holte ich mir regelmäßig Rückmeldung von den Stallbesitzern. Benahm sich der Bub auch, wenn ich nicht gerade hinsah? (Ja, das ist fast wie Kinder in die Kita zu geben … ;-) ) Schließlich bin ich mit Lusitanos noch unerfahren, aber Fachleute und Lusitanobesitzer in meinem Bekanntenkreis hatten mir vom ausgesprochen guten Charakter und der Menschenbezogenheit vorgeschwärmt. Ich war erleichtert, dies nun bestätigt zu bekommen: Ja, er benimmt sich. „Der ist der bravste von allen, ein richtiges Bärli.“ 

Inzwischen hat er sogar mit dem alten Wallach Freundschaft geschlossen, ich habe schon mehrfach beobachtet, wie die Jungs einträchtig nebeneinander standen.

Nur wenn Bonito mit Kühen konfrontiert wird, dann guckt und schnauft er ein bisschen iberisch. Sind das die Stierkampf- und Hirtengene? Das werden wir wohl dann erst wissen, wenn er sich beim Rinder-Umtreiben als Hilfskraft anbietet.



Mittwoch, 13. August 2014

Statusänderung

Als ich im Frühjahr aus dem Winterschlaf auftauchte und mich wieder ins Leben und den Alltag begab, erwachte auch wieder der Wunsch zu reiten. Mein Optimismus, wieder eine Möglichkeit zu finden, mich in den Sattel zu schwingen, hielt nicht lange vor. Der Markt der Reitbeteiligungen ist hart umkämpft, die hiesige Szene – hmja – überschaubar.

Da kam eine Eingebung des Wegs, ein Zufall hinterher, eine geöffnete Tür hier, eine kleine Fügung dort. Vielleicht auch eine günstige Sternenkonstellation, wer weiß das schon. Ich verbrachte viel Zeit damit, nachzudenken, zu rechnen, Bestand aufzunehmen – manch einer in meinem Umfeld fürchtete schon, die neuen Medikamente hätten mich abermals betäubt. Doch es war nur eine größere Machbarkeitsstudie.

Die Studie brachte mich zu dem Fazit: Allem zum Trotz (Grüße von hier aus an Copine) würde ich es wagen, ein eigenes Pferd zu kaufen. Der Wunsch war ja auch erst vierzig Jahre alt. ;-) Das war Schritt Nummer eins.

Der zweite Schritt, das „Outing“, war beinahe noch schwieriger als der Entschluss an sich. Denn das Herz über die Entscheidungshürde zu werfen – und das laut zu sagen – bedeutete ja, dass ich nunmehr konkret hinterherspringen musste. Vor allem, da mir auch noch ein Platz in einer Offenstall-Gruppe zulief.

Ganz im Gegensatz zu meinen Befürchtungen sahen die meisten, denen ich meinen Plan gestand, den Pferdekauf nicht als hirnloses Abenteuer. Viele dieser ausgesprochen erfahrenen Pferdemenschen (die Familie, mein ehemaliges Mit-Ponymädel von vor vielen hundert Jahren, meine Ponybesitzerin und nicht zuletzt die kampferprobten Zossengörls) waren bereit, auch noch die hundertste Frage zu beantworten, den hundertundersten Zweifel zu diskutieren, und keiner geizte mit gutem Rat. Hatte ich doch nur Vorstellungen von Alter, Größe und Eignung und brachte alle zur Verzweiflung mit „Farbe egal“, „Rasse leg ich mich erst gar nicht fest“, „ich hab ein ungefähres Budget“.

Einen der Tipps hörte ich öfter: „Lass das Herz sprechen.“ Beziehungsweise: Achte auch darauf, wie ein Pferd dir begegnet. Gibt es eine spontane Sympathie? Die kann am Ende nämlich wichtiger sein als perfekte Papiere oder die festgelegte Stockmaß-Grenze.

Derart gut betreut und gut begleitet – und zu diesem und jenem auch dezent hingeschubst, landete ich auf der Ferme Rando bei Tanja und Stefan. Dort begegnete mein Herz einem jungen Lusitano-Wallach. Als ich vor ihm stand, ahnte ich, als ich aufgesessen war, hoffte ich, nach dem Proberitt war das Gefühl da: Ja! Und dieses Mal durfte ich das Pferd auch tatsächlich haben, das im Herzen meines war. 

Alle Hungerburger Pferdefreunde werden jetzt wahrscheinlich über meine Wahl grinsen: Ein Schimmel, nicht zu groß, Sommersprossen, lange Ohren, und der Name fängt mit B an.
Herzlich willkommen in meinem Leben, Bonito!

Sonntag, 10. August 2014

Halten Drachen Winterschlaf?

Also, das kann man natürlich nicht verallgemeinern. 

Wenn Drachen, wie sie sich Klein Fritzchen so vorstellt, reptiler Natur und somit wechselwarme Lebewesen sind: Nein, dann halten sie Winterstarre, wenn es kalt genug ist. 

Wenn mit „Drache“ ich gemeint bin: Ja, dann kann man das wohl als Winterschlaf bezeichnen: Ich wurde ohne nennenswerten Erfolg mit Medikamenten gegen meinen dummen Kopf behandelt, aber damit erfolgreich sediert. Und ja, das hat auch all meine Projekte, darunter eine Fantasy-Geschichte mit Drachen, erst mal aufs winterliche Eis gepackt.

Ruhender Drache. Im Hintergrund ein Pony.
  
Nachdem ich nun aber wieder wach bin (bessere Drogen!), habe ich auch Brillibald und Brunigunde[1] wieder aufgetaut. Nein, nicht in der Mikrowelle! Das wäre nicht gut, Brillibald trägt Rüstungsteile aus Metall. Ein sanftes Auftauen, damit sich die beiden nicht erschrecken. Aber es dauert dann etwas länger.
 

Immer, wenn ich mit Abstand auf meine Geschichten blicke, erscheinen sie mir furchtbar langweilig und trivial, und dann wird die Geschichte umgeschrieben. 

Erwähnte ich schon mal irgendwo, dass ich mich stets so lange an Kleinigkeiten aufhalte, dass ich nicht ans Ziel komme? Jedenfalls wurden meine beiden Helden, der Mann von Tugend und das Fräulein mit dem Schwert nicht nur generalüberholt, sondern auch auseinandergenommen, die Einzelteile wurden geputzt, kritisch begutachtet und renoviert. Wenn alles dann (hoffentlich bald) wieder zusammengesetzt wurde, ist es eine Szenenoutline. 


Bei diesen Outlines bediene ich mich gerne aus dem Werkzeugkasten für Drehbücher. Zwar ist es für mich nicht so wichtig, ob die Szene innen (Studio) oder außen stattfindet. Schließlich „kosten“ die Buchstaben für den Roman immer dasselbe, der Aufwand ist immer der gleiche, egal, was gerade in der Geschichte passiert. Bei Dreharbeiten sieht das natürlich ganz anders aus.
Aus der Outline entsteht dann bei mir ein „Scriptment“, eine Mischung aus Script und Treatment[2]. Kein reines Treatment, da ich gerne schon mal Dialoge einarbeite. 

Meiner (ganz persönlichen) Arbeitsweise kommt es entgegen, an jener Stelle in der Geschichte weiterzumachen, an der ich gerade eine Idee habe. Diese Form der Entwicklung bietet mir den Vorteil, dass ich mich dabei auf das Sichtbare der Geschichte konzentrieren muss und auf ihren Spannungsbogen. Außerdem erlaubt mir diese „Routenplanung“, nichtlinear zu arbeiten, ohne mich zu verzetteln. Solange ich mich nicht an Kleinigkeiten aufhalte. 

Aber nachdem ich so lange geruht habe, sollte ich jetzt mit Frische ans Werk gehen können und meine Drachen ein ganzes Stück weiter voran bringen. 

Bis der nächste Winter kommt.



[1] Namen von der Redaktion geändert

„Ein Treatment [...] bietet eine vorläufige Strukturierung des Drehbuchs. In der Regel konzentriert es sich auf die Hauptgeschichte, vermittelt aber zugleich alle notwendigen Informationen, die der Leser braucht, um die Entwicklung der Figuren, ihre Motivation sowie die zentralen Fragen (und deren Antworten) und Themen zu erfassen.“

Mittwoch, 6. August 2014

Ponys sind wie Kartoffelchips ...

... man kann nie nur eines davon haben.


Ein bisschen jammern sei im Rahmen, sagte mein Facharzt, das Krankheitsbild gestatte dies durchaus[1]. Ihm blieb jedoch das Lamento erspart, als ich mich letzten Sommer aus gesundheitlichen Gründen entschloss – entschließen musste, das Reiten vorerst sein zu lassen. Vermutlich hätte er mir die Jammer-Lizenz sofort wieder entzogen.

Glück im Unglück hatte ich, auf kalten Pferde-Entzug kam ich nicht. Eine Bekannte bat mich, bei der Pflege ihrer beiden Gnadenbrot-Ponys vom Tierschutz auszuhelfen. Papa Blu meinte: „Nimm ein Vergrößerungsglas mit.“ Die beiden Mini-Macker (ein Shetty-Hengst und ein Welsh-Hengst) leben als Landschaftspfleger nicht weit von der Casa Blu. Sie verhindern, dass eine Wiese verwildert. Ich verhindere, dass die Ponys verwildern.
Dabei sehen sie so harmlos aus!

Als ich den „Job“ antrat, befürchtete ich schon, jeden Morgen zwei Marodeure in den Vorgärten des Viertels zu suchen. Vorsorglich erkundigte ich mich schon einmal nach einer Quelle für NATO-Draht zur Sicherung der Weidegrenze. Man hat ja schon viel vom Ausbrecher-Gen der Shettys gehört und vom Schalk, der ihnen im Specknacken sitzt.

Tatsächlich fand der Mini bald eine Taktik, den Weidezaun zu überwinden. Die Shetty-Arschbombe gegen die Elektrolitze lässt sich jedoch leider nicht patentieren, da sie bei „mehr Power“ auf dem Zaun nicht mehr ausgeführt werden sollte. 

Mittlerweile hat sich alles eingespielt, sie haben sich gut eingelebt und zu fröhlichen – und erfolgreich entrüpelten – Ponys entwickelt. Der Flurschaden hält sich in Grenzen.

Doch immer wieder aufs Neue gerührt bin ich über das zweistimmige Trompeten-Duett, mit dem sie nun täglich „ihre Menschen“ zum Stalldienst begrüßen. Wenn man so etwas zurückbekommt, fällt der Weg zum Ehrenamt leicht. 

Auch an Tagen, an denen man ein wenig jammern wollte.




[1] Das Jammern findet auf hohem Niveau statt. Trotzdem sind acht mal Migräne pro Monat Mist.


Dienstag, 5. August 2014

Wer hat an der Uhr gedreht?


Madame, verzeihen Sie bitte ...
Liebe Spinne, nimm es mir nicht übel, aber ich muss hier endlich mal mit dem Staubwedel durch. Kaum zu glauben, dass sogar die virtuelle Welt so viel Spinnweben ansetzt, wenn man sich eine Weile nicht kümmern kann. Da hat man nur ein paar mal geblinzelt, plötzlich sind eineinhalb Jahre um, und Deutschland ist Fußball-Weltmeister. Eineinhalb Jahre bin ich älter geworden und habe die Menschheit gar nicht dran teilhaben lassen. Wie unhöflich! Für alle die, die unbedingt wissen wollen, was sich geändert hat in all der Zeit: Graue Haare habe ich bekommen. Drei Stück. Eine Theorie wäre, dass die grauen Zellen sich vermehrt und innen im Kopf keinen Platz mehr haben. Folgen wir einfach dieser Theorie. Vielleicht, wenn ich ganz doll fest dran glaube, stimmt es ja, und das Denken, Schreiben, Bilder machen fällt den grauen Zellen wieder leichter. 

Was sich sonst noch so alles geändert hat, davon werde ich in nächster Zeit berichten.

Was sich sonst noch so alles ändern wird, darauf bin ich gespannt.

Sonntag, 23. Dezember 2012

Ihr Lieben da draußen ...



… Euch und Euren Familien wünsche ich ein friedliches Weihnachtsfest 2012, mit ein paar Tagen Ruhe, Zeit füreinander und miteinander. Zeit, den Geruch von Tannenreis zu riechen, mit hochgelegten Beinen am Ofen zu sitzen, einen Kakao oder einen Glühwein zu trinken und dazu Plätzchen zu essen.

Ich wünsche euch die Zeit, einfach mal für ein paar Momente nichts tun zu müssen, keine Anforderungen zu erfüllen, ein Augenblick, in dem mal einfach nur ihr selbst seid, denn etliche unter Euch haben dieses Jahr mehr Kraft gelassen, als sie eigentlich hatten. 

Vor allem den Familien, in denen dieses Jahr zu Weihnachten ein Platz am Tisch leer bleibt, weil sie einen lieben Menschen verloren haben: Fühlt euch ganz besonders umarmt.

Dass ihr alle gut in 2013 ankommt, wünscht euch

Eure Nel


Montag, 15. Oktober 2012

Nebenherskizze


 Ein kleines Harmony-Lebenszeichen in Rot - Blau - Grün aus meinem digitalen Skizzenbuch.

Sonntag, 2. September 2012

Bulwer-Lytton-Gedächtnisbeitrag

't was a dark and stormy night …
as clichéd as they come
- but what a moon, what a sight!


Man möge mir verzeihen, dass ich jetzt auch in „fremden Zungen“ dichte. Da es mir ja bisweilen schon gelingt, meine Mitmenschen schon in Deutsch mit einem gut gezielten Reim in die Flucht zu schlagen. Aber mir war gerade so viktorianisch zumute. Liegt vermutlich am Mond. 

Edward Bulwer-Lytton ist der Urheber dieses Klassikers unter den ersten Sätzen blumigster Literatur. Seinen „Paul Clifford“ beginnt der Baron mit: 
Es war eine dunkle, stürmische Nacht, der Regen fiel in Strömen und ließ nur dann von Zeit zu Zeit nach, wenn er von einem heftigen Windstoß unterbrochen wurde, der durch die Straßen heulte [...]
Aber was sage ich – „begann“? Einfach anzufangen, das wäre ja höchst unviktorianisch und geht ja mal gar nicht. Also: Nach etlichen Vorwörtern und Erläuterungen steigt Bulwer-Lytton mit der legendären dark and stormy night in sein erstes Kapitel ein. 

Als ob an hellen, sonnigen Tagen grundsätzlich nichts geschieht, haben mit einer dunklen, stürmischen Nacht zahlreiche Dichter und Denker ihre Geschichten eröffnet. Und noch mehr sind an der Zahl, deren Werke man weder als Dichtung noch als Denkung bezeichnen möchte. 

Einer, der damit davonkommt, weil er der klassischen Bulwer-Lytton-Eröffnung seine ureigene Note gibt, ist Terry Pratchett in Mummenschanz:
Wind heulte. Gewitter prasselte und krachte über den Bergen. Blitze tasteten über die Gipfel wie ein alter Mann, der versuchte, einen widerspenstigen Brombeerkern aus seinem Gebiss zu entfernen.
Man sagt aber, das Wetter soll bald besser werden.


Montag, 6. August 2012

Die üblichen Verdächtigen

Bei Familie Blu taucht immer wieder die Frage auf, "wer da nachts wohl ..." - so entstand ein neues Hobby: die Wildbeobachtung. Die Überwachungskamera darf aus rechtlichen Gründen nur das eigene Grundstück filmen, aber auch da gibt es nächtens reiche Videobeute, selbst wenn man nur die Terrasse anvisiert. Und sei es, dass man eine halbe Stunde Filmmaterial hat vom Kater, der auf der Ecke sitzt und sich putzt.

Diesmal ging es um die Ostterrasse, genau gesagt um das Fallobst, das abends dort zu liegen kam, und von dem morgens nur noch der Stein da war. 

Der Standort bestimmt, die Kamera scharf gemacht. 

Wer würde nachts auftauchen und das Obst wegrüsseln?

Hier sind die beiden:

Damit sind die Nachbarskatzen weitgehend rehabilitiert. Allerdings haben haben wir sie wegen eines ganz anderen Mundraubs in Verdacht. Der Kamera-Assistent kam nämlich am frühen Morgen und reklamierte einen leeren Futternapf.

Sonntag, 1. Juli 2012

Aufatmen

Mein Deal mit Petrus hat zur Bedingung, dass ich nicht übers Wetter meckere. Punkt. Das mach ich auch jetzt nicht. Nur in den letzten Tagen hatte ich drüber nachgedacht, mir eine Sondergenehmigung zu holen und wenigstens ein bisschen zu jammern. Von Natur aus bin ich ja ein Hitze-aus-dem-Weg-Geher, und ein leises Wimmern wäre der passende Soundeffekt zum schlaff in der Ecke hängen gewesen.

Ich bedanke mich daher in aller Form für das hier:


Ein Sonderapplaus gilt dem Gewitter, das nur ein starkes Gewitter war und uns von Risiken und Nebenwirkungen verschont hat.

Meckern wird vertagt. Weitermachen!

Samstag, 30. Juni 2012

Erwischt!

Irgendwann fängt man sich an zu fragen, wer nächtens - ohne Dürfschein! - die Terrasse umdekoriert. Dem Ergebnis nach musste es ein ziemlich bekifftes Heinzelmännchen ohne gestalterisches Talent gewesen sein. Umgeworfene Blumentöpfe, angefressene Gartenschuhe, dekorativ in die Landschaft verteilte Kaffeefilter aus dem Komposteimerchen ...

Und nein, es war nicht die Katze.

Papa Blu hatte die Faxen dicke, und so wurde eine Überwachungskamera zur Wildtierbeobachtung angeschafft.

Schon in der ersten Nacht ist der Terrassenanarchist in die Fotofalle gegangen:


 Ich glaube, wir haben gute Voraussetzungen für ein richtiges Biotop. ;-)